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Kauf des adeligen Hauses Hüsten durch unsere Bruderschaft
W.S. Und die Pfarrgemeinde St. Petri hatte kein Interesse? Sie hatte doch in den ersten Jahren nach 1900 einen Teil des Grundstücks von Haus Hüsten erworben und es dem Friedhofsgelände zugeschlagen. H. S. Die Pfarrgemeinde hatte auf der südlichen Seite der Pfarrkirche das große Gebäude der alten Kirchschule, das sich als Pfarrheim anbot. Das wollte die Pfarrgemeinde ausbauen. So verzichteten Pastor Henkenmeier und die Petrigemeinde auf den Kauf. W.S. Aber die hohen Kosten? Hat keiner gesagt: “Wie könnt Ihr Schützen Euch nur zutrauen, eine Burg zu kaufen!” H.S. Natürlich haben wir uns das gut überlegt, zumal wir noch große Schulden hatten. Oberst Karl-Josef Tetampel und ich haben gleich den Steuerberater Niermann zugezogen und uns beraten lassen. Aber alle vom Vorstand waren sich einig: “Wir können uns das Haus nicht vor der Nase wegkaufen lassen. Was würden nachfolgende Geschlechter dazu sagen?”. W.S. Hatte der Vorstand gleich eine Idee, wie er das Haus nutzen wollte? H.S. Ja, zunächst war die obere Wohnung bereits vermietet an das Ehepaar Bange. Der Vater von Frau Bange, Herr Weber, war langjähriger Rendant der Bruderschaft gewesen. Später zog die Familie Much ein. Herr Much war bis zu seinem Tode auch unser Hallenwart. Unten hatte der Missionskreis St. Petri seinen Raum. Wir hatten aber auch schon an das Schützenmuseum oder Archiv gedacht. 1982 wurde dann das Museum eingerichtet. W. S. Kommen wir jetzt zum eigentlichen Kauf. Wie entwickelte sich das Geschäft? HS. Am 3. 7. 1978 lag uns ein Angebot von Baron von Fürstenberg vor. Es sollte noch einmal über den Betrag verhandelt werden. Karl-Josef Tetampel und ich auf der einen Seite und Rendant Kretzer auf der anderen Seite. Es kam schließlich zu einer Einigung. W. S. Und alle Mitglieder habt ihr sogleich überzeugen können ? H. S. In der außerordentlichen Generalversammlung am 5. 11. 1978 wurde der Kauf des Hauses Hüsten einstimmig beschlossen. Zur Klärung der Finanzierung hatten wir mit unserm Steuerberater ein Konzept entwickelt. Es kam ja nun allerhand auf uns zu! In dieser außerordentlichen Generalversammlung erklärten sich 23 Vorstandsmitglieder sofort bereit, einen zinslosen Betrag auf längere Zeit zur Verfügung zu stellen. Viele Mitglieder, auch Jubilare, haben dazu beigetragen, dass schließlich 40.000 DM zusammenkamen. W. S. Alle Voraussetzungen waren damit geschaffen, aber noch gehörte das Haus der Familie von Fürstenberg. H.S. Im Januar 1979 wurde dann der Vertrag unterzeichnet. In der Versammlung am 9. 2. 1979 konnten wir dann mitteilen, dass wieder 9.630 DM eingegangen waren. Wie schon gesagt: die Gesamtsumme aller Spenden betrug 40.000 DM. W. S. Heute können wir Schützenbrüder froh sein, das Haus zu besitzen, wenn man die Schätze hier (das Gespräch fand im Schützenmuseum statt) rundum sieht. H.S. Früher hatten die Schützenhauptleute die Schützenakten, Statuten, Bücher etc. in ihren Wohnungen. Heute ist das alles hier in diesem Raum zusammen. Das Engagement der Vorstandsmitglieder bei der Einrichtung war groß. Schränke und Vitrinen sind geschenkt worden. Übersichtlich liegen jetzt die alten Mitgliedsbücher (ältestes von 1657, beendet 1873), Totenbücher, Orden und Akten bereit. Seit der Erneuerung im Jahre 1657 der “Schützenbruderschaft Hüsten unter dem Schutze des Heiligen Geistes von 1435” sind die Unterlagen gesammelt worden, zunächst in den Wohnungen des Hauptmanns (man kann sich nur wundern, dass so vieles erhalten ist) und später auch im Schüttenkasten, in dem das Wichtigste verschlossen war.
H. S. Inzwischen bringen auch die Angehörigen verstorbener Schützenbrüder erhaltene Fotografien, Plaketten und Ausweise, die wir dann hier aufbewahren. Wir haben einen Fahnenschrank angeschafft, in dem wir z. B. auch die Fahnen des ehemaligen “Landwehr Kriegervereins” verwahren. Auch deren gesamte Akten liegen hier. W.S. Im Schüttenglögers 1995 habe ich auf den Seiten 36/37 ausführlich nach den hier liegenden Unterlagen über die Geschichte des “Landwehrkriegervereins” berichten können. – Die in den Schützenheften 1987 und 88 vollständig veröffentlichte Liste Hüstener Schützenbrüder nach dem alten Mitgliederbuch hat schon vielen Familien bei der Familienforschung geholfen. Es ist erfreulich, dass immer wieder ältere Hüstener und Familien, die beim Umbau ihres Hauses auf alte Unterlagen stoßen, diese dem Schützenarchiv zur Verfügung stellen. DEI SCHÜTTENGLÖGERS wird von Zeit zu Zeit über diese Sammlungen berichten und damit Hüstener Bürgerleben aus früherer Zeit wieder aufleben lassen.
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